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HB? Versteh ich nicht.

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24. Jan 2011 23:26

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 Betreff des Beitrags: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 24. Jan 2011 23:26 
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Hallo zusammen,

Ich muss meinem Unverständnis einfach mal Platz machen.

Von der HB unseres Sohnes wissen wir, weil er im KiGa als Entwicklungsverzögert galt. Die Erzieher waren der Meinung, er entwickle sich nicht altersgemäss, gliedere sich nicht ein und soweiter.

Auch zu Hause bemerkten wir nichts von HB. Klar fanden wir Ihn toll und sahen immer nur die besonders tollen Äusserungen. Aber es geht einem schon ganz schön auf den Keks, wenn die üblichen Automatismen nicht anschlagen und man jeden Handgriff auch zum 100. mal neu erklären muss. (Ich schicke ihn immernoch mit erschreckender regelmässigkeit nach dem Klo zum Abziehen und Händewaschen. Mag gar nicht dran denken, wie das in der Schule ist).

Nachdem Ihm die HB attestiert wurde, hat er schlagartig Interesse für die Schule gezeigt. Wir haben Schule gespielt und nebenbei das Blätter einheften geübt und Aufgaben gemalt und das Stifte aufräumen und sowas. Daraufhin hat er Buchstaben nachgefragt und ratz fatz Lesen gelernt. Vor der Schule hat er dann gerne gelesen. Jetzt ist er in der ersten Klasse und mag weder lesen, noch rechnen, inzwischen auch nicht mehr schreiben. Er ist unerträglich langsam in der Erledigung seiner Aufgaben und in der Schule macht er fast nichts mehr.

Dabei hat er auch noch keine Freunde in seiner Klasse gefunden. Mit einem Kind aus er Parallelklasse kann er sich hervorragend austauschen, aber der einzige Junge, der ihn aus seiner Klasse einigermassen interessiert ist genau so ein Eigenbrödler wie er. Die beiden könnten nebeneinander auf einer Düne sitzen und bauten jeder an seiner eigenen Sandburg.

Also: Hohes Potential, kein Interesse an der Nutzung desselben. Wenn er damit glücklich wird, hab ich da kein Problem mit. Aber der Trend sieht mir da anders aus.

Und jetzt auch noch Eva: Die ist jetzt in der vierten Klasse und macht uns ehrlich immer wieder Sorgen. Die erste Klasse war ganz gut. Nur beschwerte sie sich immer, dass sie nicht vorarbeiten durfte. Sie litt unter den "Stoppseiten" in den Arbeitsheften, sie wollte weiterkommen. Das änderte sich schlagartig in der zweiten, wo sie dann schnell anfing zu verweigern.

Wir waren mit ihr beim Psychologen und ich hab eine Elternschulung besucht, Zeitpläne mit ihr erarbeitet, die sie nie eingehalten hat, Punktepläne, Belohnungssysteme, alles ufert in endlose Diskussionen und Grenzfallbestimmungen aus.

In der dritten Klasse hat sie die Schule gewechselt, in eine fast halb so starke Klasse. Aber auch hier überschreitet sie ihre Grenzen und verpasst den Unterricht, weil sie einfach die Ohren zuklappt, wenn sie nicht will.

Ihre Schrift ist unzumutbar, Ihre Leistungen bedenklich, einzig in die Darlegung der Geschichten, weshalb sie keine HA hat legt sie gewisse Kreativität. Sie rechnet schnell aber unsauber und vergeudet kein Fünkchen Energie ins Kontrollieren. Dabei wachsen ihre Lücken vor allem in Deutsch. Sie liest nicht gerne (fäng allerdings jetzt damit an, seit der kleine Bruder sie fast eingeholt hat) und sucht in allem immer den größtmöglichen Umweg.

Mittwoch waren wir mit Ihr bei demselben Arzt wie mit Caspar. Auch sie ist HB! Besonders hervor sticht ihre sprachliche Begabung!

Natürlich fällt da einiges auf, z,B. dass sie mit Freuden im Englisch und Spanischbuch der Schwester stöbert und auch schon ein paar Floskeln sagt. Aber, wenn sie sowas mag, warum dann nicht der Deutsch- oder Englischuntericht an ihrer Schule.

Caspar ist ein großartiger Legobauer und kann erstaunlich gut dreidimensional denken. Hat von Evas Sachunterricht etwas über Elektrizität aufgeschnappt und mit einer Spültischhalteklammer einen elektrischen Schalter erfunden und den Schaltkreis gezeichnet. Aber wenn er Menschen zeichnet haben die bei ihm immernoch keine Arme!



Es muss in irgendeiner Weise ganz furchtbar langweilig sein, HB zu sein, und fürchterlich frustrierend und demotivierend, wenn ich mir die beiden so anschaue. Irgendwas passiert in Ihrem Kopf, und es hat nichts mit dem zu tun, was in den Köpfen der anderen Kinder um sie herum passiert, so scheint es.

Für mich ist es schwer bis unmöglich, mich in ihre Denkweise einzufühlen. Ich freue mich über jeden Funken, der sie zum Leuchten bringt und lasse Platz, damit sich die Glut entfalten kann.



Geht es anderen "normal" Begabten auch so, dass sie Ihre Kinder gar nicht HB eingeschätzt hätten?

Ich schau mich manchmal um und frage mich: Wenn Caspar HB ist, was sind denn dann dieser hier oder jene dort erst recht... und das sind deutlich mehr als 2% der Kinder.

Neulich hab ich mit einer Mutter über so einige Sorgen gesprochen, deren Kinder mit zwei meiner Kinder in die gleichen Klassen gehen. Die sagte mir, ohne von der HB zu wissen: "Deine Kinder denken ganz anders." Ich bewundere deren Beobachtungsgabe.

Ich bin überhaupt kein Freund von Trennung nach Begabung, aber wenn HB tatsächlich anders denken, dann könnte das ein Grund dafür sein, dass sie mit dem angebotenen System nicht zurande kommen und für entwicklungsverzögert gelten oder sich dem Schulsystem verweigern.

Sorry, wenn ich hier so deprimiert klinge. Geht mir gerade nicht so gut.

Gute Nacht
Karin


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25. Jan 2011 00:33

 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 25. Jan 2011 00:33 
  
Hallo Karin,

ich habe zwar keine Kinder, aber ich bin selbst hb und kann mich an meine Kindheit, die noch nicht allzu lange her ist, noch ganz gut erinnern. Manche der Dinge, die Du hier beschreibst, sind bei mir heute immer noch so.

karin hat geschrieben:
Nachdem Ihm die HB attestiert wurde, hat er schlagartig Interesse für die Schule gezeigt. Wir haben Schule gespielt und nebenbei das Blätter einheften geübt und Aufgaben gemalt und das Stifte aufräumen und sowas. Daraufhin hat er Buchstaben nachgefragt und ratz fatz Lesen gelernt. Vor der Schule hat er dann gerne gelesen. Jetzt ist er in der ersten Klasse und mag weder lesen, noch rechnen, inzwischen auch nicht mehr schreiben. Er ist unerträglich langsam in der Erledigung seiner Aufgaben und in der Schule macht er fast nichts mehr.


Ich nehme an, die anderen Kinder können noch nicht so gut rechnen, lesen und schreiben wie er. Vermutlich versteht er nicht, warum er ständig wieder und wieder beweisen muss, dass er es bereits (viel besser) kann.

Ich finde das auch total nachvollziehbar, für ihn ist das Zeitverschwendung und eben in keinster Weise "stimulierend" oder befriedigend, da es keine Herausforderung für ihn darstellt.

Wie geht denn die Lehrerin damit um?

Weißt du was helfen könnte: wenn er zu Hause z.B. einen elektrischen Schalter baut und Pläne dazu malt, wäre es doch eine tolle Idee, das den anderen Kindern im Unterricht mal vorzuführen! Da erhält er dann Anerkennung etc. und ist dann evtl. wieder motivierter. Gut fänd ich es auch, wenn er anderen Kindern evtl. helfen könnte Dinge zu lernen, die er schon kann. Ich weiß ja nicht, wie Dein Draht zu den Lehrern ist, aber vielleicht kannst Du solche Vorschläge ja unterbreiten.

Das sind jedenfalls die Sachen, die ich in der GS machen durfte, wenn ich etwas bereits wusste, durfte ich nach vorne und das erklären, wenn ich etwas erfunden hatte, durfte ich es vor der Klasse präsentieren etc.

Dass ich keine HA machte und auch irgendwann nicht mehr mitschrieb (!) war ok, weil ich die Fragen der LehrerInnen trotzdem beantworten konnte und in den schriftlichen Arbeiten Einsen schrieb.
Die guten Noten hätte ich wohl nicht gehabt, wenn man mir diese ganzen Freiheiten nicht gelassen hätte!

Ich denke, ich hatte viel Glück in der GS, denn zu meiner Zeit war Hb noch gar kein Thema.

Der notentechnische Absturz kam bei mir dann aber trotzdem - auf dem Gym. Ich habe danach aber wiederum Glück gehabt, als ich mit 20 endlich beginnen konnte, mich selbst zu verwirklichen. Zum Glück waren damals die NC an den Unis etc. noch nicht so hoch wie jetzt.

karin hat geschrieben:
Also: Hohes Potential, kein Interesse an der Nutzung desselben. Wenn er damit glücklich wird, hab ich da kein Problem mit. Aber der Trend sieht mir da anders aus.


Ich denke, die Tatsache, dass er die Schule verweigert und daneben z.B. Schaltkreise baut, beweist, dass er sein Potenzial sowohl nutzen möchte als auch kann! Ich denke, in der Schule scheint er sein intellektuelles Potenzial einfach nicht ausleben zu können! Da besteht meines Erachtens dringend Handlungsbedarf.

karin hat geschrieben:
Dabei wachsen ihre Lücken vor allem in Deutsch.


Wenn sie bereits Lücken hat, ist das natürlich problematisch. Was man da machen kann, insbesondere, wenn die Motivation fehlt, weiß ich nicht.

karin hat geschrieben:
Mittwoch waren wir mit Ihr bei demselben Arzt wie mit Caspar. Auch sie ist HB! Besonders hervor sticht ihre sprachliche Begabung!

Natürlich fällt da einiges auf, z,B. dass sie mit Freuden im Englisch und Spanischbuch der Schwester stöbert und auch schon ein paar Floskeln sagt. Aber, wenn sie sowas mag, warum dann nicht der Deutsch- oder Englischuntericht an ihrer Schule.


Das solltest Du wohl unterstützen! Wenn das Kind wenigstens einige Bereiche hat, in denen es lernen darf, ohne gebremst zu werden, dann sorgt das sicher für gute Laune und vielleicht findet sie dann auch wieder die Kraft sich unliebsameren Aufgaben zuzuwenden (z.B. die Lücken in Deutsch zu schließen).

karin hat geschrieben:
(...) und den Schaltkreis gezeichnet. Aber wenn er Menschen zeichnet haben die bei ihm immernoch keine Arme!


Was ist daran so schlimm?

karin hat geschrieben:
Es muss in irgendeiner Weise ganz furchtbar langweilig sein, HB zu sein, und fürchterlich frustrierend und demotivierend, wenn ich mir die beiden so anschaue.


Oh ja, das ist es oft. Habe dafür auch noch keine Lösung gefunden. Aber: Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen. Diese Erkenntnis und die, dass die Phasen, in denen ich das besonders dolle spüre, wieder vorbei gehen, hilft mir manchmal.

karin hat geschrieben:
Für mich ist es schwer bis unmöglich, mich in ihre Denkweise einzufühlen. Ich freue mich über jeden Funken, der sie zum Leuchten bringt und lasse Platz, damit sich die Glut entfalten kann.


Du brauchst Dich nicht in ihre Denkweise einzufühlen: Wichtig ist, dass Du heraus findest, wie Du das Feuer entfachst! Und sie dann unterstützt, wo es nur geht! Und ihnen, wenn sie größer sind, beibringst, wie sie ihr Feuer selber entfachen können.

karin hat geschrieben:
Ich bin überhaupt kein Freund von Trennung nach Begabung, aber wenn HB tatsächlich anders denken, dann könnte das ein Grund dafür sein, dass sie mit dem angebotenen System nicht zurande kommen und für entwicklungsverzögert gelten oder sich dem Schulsystem verweigern.


Ich bin auch kein Fan von Trennung und ich habe lange gebraucht, um anzuerkennen, dass es Hb wirklich gibt etc.
Du hast Glück, dass bei Deinen Kindern die Hb entdeckt wurde, vielleicht kannst Du das "sich dem Schulsystem verweigern" ja noch verhindern. Das wäre auch für die Sekundarstufe sehr wichtig, denn heutzutage bekommt man mit einem schlechten Abitur wohl kaum noch einen Studienplatz (jedenfalls nicht an der Wunschuni etc.). Also natürlich weiß niemand, ob die Kinder ein Abitur machen wollen und ob das für ihren Weg überhaupt nötig ist, aber es ist meines Erachtens dennoch immer das Beste, diesen Abschluss bestmöglich anzustreben, denn man kann ja nie wissen.....

karin hat geschrieben:
Sorry, wenn ich hier so deprimiert klinge. Geht mir gerade nicht so gut.


Kann ich voll verstehen!

LG Calipso


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25. Jan 2011 08:48

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 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 25. Jan 2011 08:48 
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Hallo Karin, nimm bitte die Namen deiner Kinder raus, falls die echt sein sollten. Man weiß nie, wer mitliest.


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25. Jan 2011 11:31

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 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 25. Jan 2011 11:31 
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Mein Kind geht noch nicht zur Schule, aber es würde mich nicht wundern, wenn es hb wäre.

Ich selber bin aber hb und ich kann dir zumindest für mich bestätigen, daß ich anderes denke. Ich habe als Kind und Jugendliche, auch noch als Erwachsene, bis ich meine Hb-"Diagnose" kannte, geglaubt, ICH sei in meinem Denken, Fühlen und Handeln "normal" und alle anderen um mich herum irgendwie "gestört", zumindest aber "komisch", "anders". So würde ich auch die Männchen ohne Arme interpretieren - dein Kind empfindet sich als normal und die anderen als "anders" und verleiht dem Ausdruck, indem er sie ohne Arme darstellt. Anders kann er das wahrscheinlich nicht ausdrücken. Insofern kann ich mich sehr gut in deine Kinder hineinversetzen... Wahrscheinlich fühlen sie sich einfach total falsch und deplatziert in ihrer Welt.

Das, was calipso schreibt, kann ich im Grunde genommen nur bestätigen. Laß sie wenigstens zu Hause ungebremst das machen und lernen, wozu sie Lust haben. Wenn sie da Erfolgserlebnisse haben und merken, daß sich Motivation lohnt, wird sich das hoffentlich auch auf die Schule übertragen. Beziehe sie ein, frage sie, wie sie sich Schule in ihren kühnsten Träumen vorstellen, damit sie Spaß macht (auch, wenn das zunächst einmal phantastisch und unrealistisch klingen sollte), und versuche das umzusetzen.

Zu Hause hat mich meine Mutter immer meinen Interessen und Neigungen nachgehen lassen. Schulich wäre ich dankbar gewesen, wenn man hätte springen können oder wenn ich eine spezielle hb-Klasse oder Schule hätte besuchen dürfen - was es zu meiner Schulzeit beides nicht gab.


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8. Feb 2011 22:36

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 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 8. Feb 2011 22:36 
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Hallo zusammen,

Calipso hat mich gerade darauf aufmerksam gemacht, dass ich auf eure Hilfen nicht geantwortet habe. Ich bin aus allen Wolken gefallen, denn ich hatte NATÜRLICH ausführlich geantwortet und mich bei euch allen bedankt. Ganz offensichtlich ist diese ausführliche Antwort verloren gegangen, woran ich mit Sicherheit völlig selber schuld bin... nicht auf "Absenden" geklickt oder so.

Vielen Dank für den Hinweis, calipso, und entschuldigung, dass Ihr euch für ignoriert halten musstet.

Zunächst mal: Ich gebe hier die Zweitnamen meiner Kinder an. Ich ermutige hier ausdrücklich alle zufällig mitlesenden Lehrer, sich die Frage zu stellen, von welchen seiner Schüler hier die Rede sein könnte! Sicher findet der eine oder andere Parallelen und macht sich Gedanken und das kann ja nicht schaden.

Calipso, Deine Antwort hat mir sehr weitergeholfen und ich habe auch verschiedentlich auf Deine Ratschläge gehört. Erst mal bin ich etwas entspannter was die Langeweile in der Schule angeht. Ich habe für Caspar ganz nette Knobelaufgaben aufgetan, die ich ihm in kleinen Dosen als Leckerli nach den Hausaufgaben anbieten wollte. Er hat dann aber so glücklich darauf reagiert, dass ich ihm jetzt immer eine gebe, wenn er will (die machen ja nicht dick). Am Wochenende hatte er sein Matheheft vergessen und konnte die HA nicht machen. Ich hab Ihm dann den Ordner mit bereits gerechneten Knobelaufgaben mit in die Schule gegeben (per mail mit der KL abgesprochen), die mit den Aufgaben einverstanden war, und ihn am selben Tag wieder Punkte im Zwanzigerraum ausmalen liess. :-(

Daraufhin hab ich mich nach außerschulischen Kursen oder Workshops umgesehen. Im Umkreis von einer Stunde Autofahrt gibt es ein tolles HB-zentrum mit Elektrotechnik kursen und so. In der Nähe leider nichts spezielles. Die Museen hier (u.A. ein Technikmuseum und ein Mathematikmuseum mit allen möglichen Rechenmaschinen) bieten zwar Workshops, nehmen aber für die interessanten Programme keine so Knirpse. Ein altersadäquater Kurs übers fliegen war tödlich langweilig. Besonders begabte Knirpse nehmen sie nicht, weil die Gruppe dann zu unhomogen wird.

Viel Spass hat den beiden eine Vorlesung an der Kinderuni gemacht. Nach zwei nicht ganz so interessanten Vorlesungen ging es gestern um Polyeder und die Eulerformel. Die haben sogar einen echten mathematischen Beweis erbracht! Es war eine Freude!

Aber in der Schule, das kann so nicht weitergehen! In zwei Wochen gibt es wieder Elternsprechtage, dann werde ich die Lehrerin nochmal auf ihre Aufgabe zur individuellen Förderung ansprechen.

Mit der Stadt hab ich auch schon gesprochen. Es gibt hier sowas wie ne HB-beauftragte. Der ist die Schule bekannt und sie schlägt vor, das Kollegium allgemein nochmal auf die Notwendigkeit der Förderung begabter und hochbegabter Schüler aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, Talente auch zu erkennen und entsprechend auch abweichend zu beschulen (z.B. ohne das hundertste Übungsblatt). Wenn dann noch nicht der Groschen fällt, weiss ich auch nicht mehr weiter.

Die Reaktion auf die Knobelaufgaben hat mich doch eher erschreckt. Ich hätte wenigstens einen netten Stempel erwartet. Ein "SUPER" gibts fürs Punkte ausmalen aber fürs Umsetzen von Textaufgaben und ernstzunehmendes Rechnen gibts nix. Was soll denn das für ein Signal sein?

Die Schule nimmt Caspar im Moment eher so hin. Er hat sich ausserdem ein Hobby ausgesucht, in dem er garantiert nich HB ist, nämlich Fussball! Da kann er ganz normal mittelmässig sein und fühlt sich wohl dabei. Genial ist er lieber unter sich und mit Papa und eventuel auch mal mit mir.

Eva macht mir da echt mehr Sorgen. Sie hat heute ne 4 in Deutsch mitgebracht. Im Diktat! Mit der gerade aufkommenden Grammatik kommt sie klar, aber schreiben an sich ist schon Qual. Da hilft auch kein üben, denn wenn ich mit ihr Schwierigkeiten in einem Diktattext suche, erwartet sie das unerwartete und vermutet Ausnahmen von den Rechtschreibregeln, dann wird ihre Orthographie erst recht kreativ.Sie hat vor allem ein Problem, sich in der Klasse zu konzentrieren. Sie kriegt alles mit! Aber das ist in einer schriftlichen Arbeit alles andere als förderlich. Nun fühlt sie sich natürlich erst recht schlecht mit der 4.

In Ihrer Klasse sind jetzt nur 18 Schüler. Wie soll das erst nächstes Jahr werden, wenn sie wieder 30 in der Klasse sind?

Aber auch für Eva haben wir ein Alternativ-wohlfühl-programm. Am Wochenende hat der Papa mit ihr Mathe betrieben, das hat ihr Spass gemacht. Sie hat im Internet Material für die Schule gesammelt und dann auch ausgewertet und dafür eine gute Note vermerkt bekommen, und in der Schule, in die sie jetzt geht, darf sie auch berichten und erklären, wenn sie was tolles gemacht hat.

Es ist schwer, zu vermitteln zwischen den Sonderheiten der Kinder und der Schule/Lehrer, wenn man sich selbst nicht in deren Lage verstetzen kann. Aber mir ist wohl bewusst, dass viel davon abhängt, wie mir genau das gelingt.

An Aleco: Ich glaube nicht, dass Caspar mit den fehlenden Armen irgendwas ausdrücken will. Ich glaube, es ist ihm einfach nicht wichtig, ob das Männchen Arme hat oder nicht. Er hat noch nie Arme gemalt, es sei denn, er soll jemanden abzeichnen. Dann sind übrigens unter Umständen die Länge von Armen, Beinen und einzelnen Fingern ziemlich gleich.

Ich wünsche noch einen schönen Abend,
Karin


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9. Feb 2011 20:16

 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 9. Feb 2011 20:16 
  
Hallo Karin,

danke für Deine Antwort!

Das klingt doch alles super! Ich hoffe, es geht so positiv weiter und dass die Lehrerin bei der "Belehrung" des Kollegiums dabei sein wird und ihr Verhalten dann ändert.

Tja, vielleicht wird Deine Tochter mit den Diktaten zu sehr unter Druck gesetzt? Ich weiß es nicht. Viel üben hilft jedenfalls nicht in jedem Fall viel, manchmal müssen sich Sachen erstmal gesetzt haben und der Leistungssprung kommt dann erst später. Es klingt jedenfalls so, als sei Deine Tochter einfach nur verunsichert. Vielleicht kannst Du ja überlegen, wie Du ihr da zu mehr Sicherheit verhelfen kannst. Dass muss ja nicht durch Diktateüben entstehen, sondern wenn sie in einem anderen Gebiet weiß "Hier kann ich was!" und Du sie darin weiterhin bestärkst, überträgt sich diese Sicherheit vielleicht ja ein wenig in die unsicheren Bereiche.

Grundsätzlich ist es bestimmt gut, wenn Deine Kinder sich im Wohlfühlprogramm entspannen können! Vielleicht musst Du nur etwas abwarten bis sich die Entspanntheit ein wenig auf die Schule überträgt.

LG und viel Glück
Calipso


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10. Feb 2011 16:34

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 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 10. Feb 2011 16:34 
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Jedenfalls melden Wir sie morgen an der Gesamtschule an. Da haben wir sehr gute Erfahrungen bei der großen Schwester gemacht, die dort einen gewaltigen Zuwachs an Selbstvertrauen gewonnen hat.

Nein, an mangelndem Selbstvertrauen liegt es bei Eva nicht, eher an einem ZUVIEL davon, was zwangsläufig von Zeit zu Zeit einen Dämpfer kriegt. Das Diktat üben hat bei ihr überhaupt keinen Sinn, weil ihre Fehler keine Rechtschreibfehler sind, sondern so blöde Konzentrationsfehler.

Aber gestern haben wir zwei echte Rechtschreibfehler entdeckt und dauerhaft eleminiert. "Obwohl" und "während" hatte die kleine ent-ha-t (also ohne H geschrieben). Ich hab sie dann so lange gekitzelt, bis die fehlenden HaHaHas aus ihr rauskamen. War ein ziemlicher Spaß.

Caspar will dieses Karneval Cowboy werden, wohl wegen dem Revolver. Den hat er nun schon und hat heute seine Munition betrachtet. Diese roten Knallringe mit 8 Schuss. Dann hat er ausgerechnet, wie viele von den Ringen in der Packung sind, mithilfe der 4er Reihe, die er nicht von mir hat, sondern kurzerhand gerechnet, und kam auf 36. Dann hat er 36 mal 8 rechnen wollen, dazu hat er dann ein Blatt Papier gebraucht, hat aber auch das lösen können.

Ich hab mit Ihm darüber gesprochen, dass er die langweiligen Aufgaben machen soll, weil es alle machen. Bei mir darf er aber rechnen, was das Zeug hält und ich finde das toll! Er hat mich aber auch gebeten, beim Elternsprechtag mal zu fragen, ob er nicht spannendere Aufgaben rechnen darf. Ist nicht mehr lange hin.

Bis dann,
Karin


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12. Jun 2011 15:03

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 Betreff des Beitrags: Re: HB? Versteh ich nicht.
BeitragVerfasst: 12. Jun 2011 15:03 
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Hallo Karin,

ich gebe zu, dass ich nur deinen ersten Beitrag und nicht den gesamten Thread gelesen habe.

Ich muss aber sagen: Ich fand das sehr niedlich ;-))))))
Ich finde es sehr süß, wie Du (vielleicht etwas irritiert) über deinen Sohn bzw. deine Kinder schreibst.
Die Beschreibung mit der Düne, wo beide Jungs ihre eigenen Burgen bauen... Knüller!!!

Du beobachtest toll. Du hast sicherlich eine gute Intuition und auch Humor. Ich glaube, das ist es, was die Kinder brauchen. Und wenn er mit seinem Kumpel auf der Düne sitzt... da würde schon etwas zwischen beiden passieren.. und selbst wenn die sich ohne Worte verstehen oder danach ihre Bauwerke besprechen:-)

Kinder machen eigentlich Dinge, die ihnen gut tun, weil sie ihren Bedürfnissen entsprechen. Und vor allem: Versuche nicht, deine Kinder an einer Normenlatte abzumessen. Das wird uns Eltern momentan aus allen Richtungen suggeriert!
So, als wenn wir nicht mehr wüssten, wie ein Kind gesund groß wird. Und Hochbegabte gab es sicherlich zu allen Zeiten (Einstein, Goethe, Galilei, Bach, Rubens..so viele!!!...) Wer Talente und besondere Impulse hat, der wird diese mit Sicherheit ausleben wollen. Aber Schule ist ein "Normenpressgerät", was mit den eigentlichen Veranlagungen eines Menschen nicht viel zu tun hat.

Ich habe folgendes in Bezug auf Schule gelernt:

Ich selbst habe zwei kleine Brüder mit einem Abstand zu mir von 7 und 8 Jahren.
die Folge war: Als ich zur Schule kam hatten meine Eltern richtig mit den Kleinkindern zu tun.
Ergo: Niemand hat sich für meine Hausaufgaben groß interessiert.
Es lief eher so: "Läuft alles"? Ich "Ja." ... gut ist.
Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, weil ich nicht ein Klassendödel sein oder von der Lehrerin blöd angemacht werden wollte, sondern mit den Leistungen anerkannt war. Und wenn es mal öde war.. dann hat man herumgeträumt, heimlich was gemalt, gelesen.. das müssten doch alle Erwachsenen kennen!!
Aber als Kind denkt man doch noch nicht über die Lebenswirklichkeit eines Erwachsenen und die Notwendigkeit eines Abschlusses nach.
Die Motivation für mich war: "Noten-Wettbewerb" in der Klasse (die Guten waren von den Mitschülern und den Lehrern SPÜRBAR angesehen), also ging es um Beziehungen.. ich empfand die Schule auch als angenehm und die Grundschule als gemütlich. Ich bin übrigens eine faule Gurke, damit dann Abi: 2,0.

Meine Brüder hingegen hatten die volle Aufmerksamkeit meiner Eltern und wurden mit Druck durch ihre Schulzeit verfolgt. Mit Tränen, Anschreien, Stress... die haben einen Horror vor der Schule entwickelt. Die haben Lesen und Lernen mit Druck und unangenehmen Gefühlen und Erfahrungen verbunden. Aber mit viel Elterninitiative noch ihr Abi gemacht, mit einem echt lulligen Schnitt. Beide sind jetzt Mitte 20 und haben noch keinen Abschluss und wechseln ständig ihren Studiengang. Die hätten beide etwas Praktisches machen sollen. Haben noch nie freiwillig ein Buch gelesen und sollen studieren???! Jetzt sind sie überfordert und unglücklich, aber durch ihr blödes Abi und die Ansprüche ihrer Eltern sollen sie eben was studieren. Beide tun mir richtig leid. Die können sich aber noch nicht selbst aus diesem "Knast" befreien. Kinder wollen ihren Eltern eben doch gefallen.

Guck Du dir deine Kinder an, schau, was sie mögen und spannend und lustig finden, wo die Leidenschaften liegen. Wenn man Leidenschaft für etwas von sich aus entwickelt, dann ist man darin auch sehr gut! Lass sie viel frei spielen und ihre eigenen Ideen ausleben (auch, wenn es die schweigsame Düne oder der Ameisenhaufen ist ;-)
Sei richtig humorvoll (so erscheinst du mir), das werden die Kinder lieben und der Druck fällt ab.

Besorge Dir doch - wenn Du magst - folgende Bücher:

Wolfgang Bergmann: "Lasst eure Kinder in Ruhe! gegen Förderwahn in der Erziehung" , Kösel Verlag, ISBN: 978-3-466-30908-5
Gerlinde Unverzagt: "Eltern an die Macht!", Ullstein Verlag, ISBN: 978-3-548-37391-1

Und: Weder Lehrer noch Erzieher sind allwissend. Du bist die Mama und einer der zwei wichtigsten Menschen für deine Kinder. Entspannung. Deine Kinder sollen glückliche Menschen werden. Dazu gehört wohl ein stabiles Selbstvertrauen in sich selbst und die Umwelt. Schaffe eine gemütliche, sichere, humorvolle Basis (durchaus unter Vertretung deiner Werte und Moral). Man kann den Kindern nicht ihre Zukunft vorbestimmen. Aber ein stabiler, zum Glück fähiger Mensch mit guten Beziehungen, der hat die Fähigkeit und das Interesse, sich selbst eine Zukunft aufzubauen.

Ich wünsche euch alles alles Gute, lasst euch nicht irre machen und genießt den Sommer!

Lieben Gruß

Paula


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