Anmelden |  Registrieren

Eine Schule für alle?

Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 55 Beiträge ] 
AbonnentenAbonnenten: 0
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 4579

14. Feb 2013 09:29

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 09:29 
Power-User
Power-User
Registriert: 08.2010
Beiträge: 2635
Barvermögen:
 120,10 Points
Geschlecht: nicht angegeben
Geschlecht: weiblich
Bundesland: Bayern
 Profil  
Wir sollten die Inklusion so betreiben, wie es die Schweden und Finnen machen. Es ist nämlich auch schon Inklusion, wenn die Kinder im selben Gebäude lernen. Die selbe Klasse muss es dabei nicht sein.....

_________________
Neuer deutscher Satzbau:
Subjekt-Prädikat-Beleidigung-Alter


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 09:31

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 09:31 
Power-User
Power-User
Registriert: 10.2008
Beiträge: 9751
Barvermögen:
 5.976,80 Points
Wohnort: Bolivien
Geschlecht: nicht angegeben
 Profil  
Bei uns ist es so, dass behinderte Kinder (Behinderungen jeder Art) eine Regelschule besuchen können, wenn die Eltern eine finden, die das macht. Das muss man mal erlebt haben, wie die Eltern in einer Gesamtkonferenz sitzen und betteln, während ihnen die Tränen über das Gesicht laufen. Und die Lehrer ihnen erklären, dass sie es nicht verantworten können, ein Rolli-Kind aufzunehmen, weil nicht alle Räume stufenlos zu erreichen sind. Die 5. Klassen zwingend im 4. Stock untergebracht sind.

Ich kenne eine Rollstuhlfahrerin, deren Tochter ein Privatgymnasium besucht, nachdem ihr alle erreichbaren öffentlichen Gymnasien erklärt haben, das Kind nicht aufnehmen zu können, da die Mutter die Elternabende nicht besuchen kann, da die zwingend im Klassenraum im 4. Stock stattfinden müssen.

In letzter Zeit habe ich viele Lehrerfortbildungen zum Thema besucht. Tenor ist: Je größer die kognitive Differenz - desto einfacher die Inklusion. Geistig Behinderte im Gymnasium - kein Problem. Lernbehinderte im Gymnasium - geht gar nicht.

_________________
Mein Motto: Immer freudig in die Zukunft sehen......


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 10:13

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 10:13 
Power-User
Power-User
Registriert: 08.2010
Beiträge: 2635
Barvermögen:
 120,10 Points
Geschlecht: nicht angegeben
Geschlecht: weiblich
Bundesland: Bayern
 Profil  
Das ist... ähm... interessant.
In München gibt es ein Gymnasium, das speziell auf Körperbehinderte ausgerichtet ist, und eins für Hörgeschädigte. Das Problem ist halt bloß: wohne ich nicht in München, dann ist es halt schwer, diese Schule zu besuchen.
Mein jetziges Gymnasium hat einen Aufzug im 60er-Jahre-Bau, der auch ebenerdig stufenlos erreichbar ist. Das Problem ist bloß, dass in den älteren Gebäuden und im Neubau aufgrund des Denkmalschutzes kein Aufzug erlaubt ist. Rolli-Kinder könnten also problemlos in diesem einen Gebäude unterrichtet werden. Sie kämen aber nicht ohne Hilfe in die Biologie- und Physikräume. Wobei das auch noch einigermaßen ginge, wenn man ihnen hilft, die zwei Stufen im Übergang vom Gebäude mit Aufzug zum Gebäude ohne Aufzug runter- und hinterher wieder hochzukommen.

_________________
Neuer deutscher Satzbau:
Subjekt-Prädikat-Beleidigung-Alter


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 11:00

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 11:00 
Power-User
Power-User
Registriert: 10.2008
Beiträge: 9751
Barvermögen:
 5.976,80 Points
Wohnort: Bolivien
Geschlecht: nicht angegeben
 Profil  
Was findest du daran interessant? Ich finde es eher erschreckend. Irgendwelche Gründe so ein Kind nicht aufzunehmen, gibt es immer, solange es keinen Rechtsanspruch hat. Nach Lösungen könnte man auch suchen. Das ist aber freiwillig.

Der Denkmalschutz verhindert den Einbau von Aufzügen übrigens nicht. Das ist Quark.

Als ich die zweite Klasse ging, kam ein neues Kind zu uns. Es war in das örtliche Kinderheim verklappt worden. Die anderen aus diesem Heim besuchten alle die "Hilfsschule", wie das damals hieß. In Alltagssprache: die Beklopptenschule. Dies Kind war aber nun besonders klug. Da ging das nicht so leicht. Zu seinem Pech saß es im Rollstuhl. Unsere Grundschule war nur zweigeschossig. Die Hälfte der Klassen lag im Erdgeschoss. Dieses Kind musste aber natürlich nach oben. Wäre ja zuviel verlangt gewesen, zwei Klassen durchzutauschen. Es rollte also in die Halle bis zur Treppe. Zog sich aus dem Rollstuhl und dann auf allen Vieren die Treppe hoch. Es war uns bei strengster Strafe verboten, zu helfen. Es sollte "beweisen", dass es das kann. Es kämpfte tapfer. Irgendwann fiel jemandem auf, dass die Schule keine Behinderten-Toilette hatte. Das war es dann.

An einem der zahlreichen Gymnasien meiner Kinder hatte ein Kind einen Verkehrsunfall und war danach querschnittsgelähmt. Die Eltern bettelten ein halbes Jahr lang. Dann durfte es wieder zur Schule. Per Gnadenerlass. Die Eltern hatten inzwischen ein Haus direkt am Schulzaun gekauft. Die Schule hatte nämlich auch kein Behinderten-Clo. Immerhin war man so freundlich und verlegte die Klasse ins Erdgeschoss. Blieb das Clo-Problem. Die Eltern schlugen vor, das Kind im Bedarfsfall nach Hause gehen zu lassen. Die Schule war einverstanden. Die Mutter musste nun auf dem Flur vor der Klassentür sitzen und auf den Fall des Falles warten. Die Lehrer hätten sich sonst überfordert gefühlt.

Vielleicht fangen wir mal an, solche Kinder zu "inkludieren" bevor wir uns mit den berühmten schwerst-mehrfach-Behinderten befassen.

_________________
Mein Motto: Immer freudig in die Zukunft sehen......


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 11:29

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 11:29 
Power-User
Power-User
Registriert: 08.2010
Beiträge: 2635
Barvermögen:
 120,10 Points
Geschlecht: nicht angegeben
Geschlecht: weiblich
Bundesland: Bayern
 Profil  
Das "interessant" war stark ironisch angehaucht. Das nächste Mal setz ich nen Smiley dazu.
Wir hatten ein Rollikind an meinem ersten Gymnasium. Das war insofern interessant, als dass es absolut überhaupt nicht barrierefrei ist. Die junge Dame konnte kurze Strecken mit Aufstützen laufen. Es gab dann ein Klassenzimmer im 1. Stock für die Klasse. Es hatte immer eine Mitschülerin den Dienst, hinter ihr die Treppen hinaufzugehen, falls sie fällt. Sie war aber super integriert.

Und doch, beim Neubau war es in der Tat so, dass ein Aufzug sich mit den Denkmalschutzregelungen nicht vereinbaren ließ. Die Eingangstür hätte damit nämlich 1,5m nach rechts versetzt werden müssen. Was die historische Substanz, die nur aufgestockt wurde, nicht erhalten hätte. Die einzige andere Möglichkeit, einen Aufzug einzubauen, wäre es gewesen, die Herrentoiletten wegzulassen. Was natürlich auch nicht geht.
Und am Altbau von 1912 lässt das Denkmalamt schon gar niemanden rumpfuschen. Da war schon die Modernisierung der Toiletten ein Kampf. Ein Aufzug würde nur mit Veränderungen am historischen Treppenhaus hineinpassen. Zu viel Eingriff an der historischen Bausubstanz. Oder man müsste die Schülertoiletten dran glauben lassen. Was ja wiederrum auch nicht geht. Und die Lehrertoiletten sind zu klein. Außerdem - man darf für einen Aufzug leider nicht die Originaltüren entfernen. Und ein Aufzug hinter einer sich nach innen öffnenden Eichentür ist ja wohl auch keine gute Idee.

_________________
Neuer deutscher Satzbau:
Subjekt-Prädikat-Beleidigung-Alter


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 11:53

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 11:53 
Power-User
Power-User
Registriert: 10.2008
Beiträge: 9751
Barvermögen:
 5.976,80 Points
Wohnort: Bolivien
Geschlecht: nicht angegeben
 Profil  
Sarah, das ist Quark. Guck doch mal, wieviele historische Gebäude Aufzüge und Toiletten haben. Nur bei Schulen geht das nicht.

_________________
Mein Motto: Immer freudig in die Zukunft sehen......


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 12:25

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 12:25 
Administrator
Administrator
Benutzeravatar
Registriert: 10.2008
Beiträge: 10277
Barvermögen:
 4.188,00 Points

Bank: 2.057,47 Points
Geschlecht: nicht angegeben
Bundesland: Berlin
Über mich: hochbegabt in kulinarischem Sinne
 Profil  
Hallo,

KTO hat geschrieben:
Ich halte aber die Umsetzung für ziemlich fragwürdig. Auch wenn die Leute bemüht sind, geht es auf Kosten der Kinder.... Die Klassenstärke liegt bei ca. 25. Das ist für viele der besonderen Kinder viel zu hoch, auch wenn immer mal wieder geteilt wird...

Das meinte ich mit den negativen Folgen der mangelhaften Umsetzung u.a. durch Sparprogramme - zurück bleibt bei allen Beteiligten das Empfinden, dass Inklusion für die Praxis ungeeignet sei. Ich kenne übrigens viele Schulen, bei denen Inklusion seit Jahren erfolgreich läuft, sowohl mit autistischen Kindern als auch mit Rollifahrern und wie bei meinem Sohn Kinder mit Lernbehinderungen.

Ubi hat geschrieben:
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Inklusion funktionieren kann, aber eben nur mit Team-Teaching und Differenzierungs- und Rückzugsräumen.

Ja, dazu sind besondere Konzepte und räumliche Ausstattung notwendig. Wie man weiß, ist der Raum ist der dritte Pädagoge, angelehnt an die Reggio-Pädagogik. Die Lernumgebung der Zukunft könnte so aussehen (in Montessori-Schulen wird ja ähnlich schon unterrichtet): Lernräume. Die Kinder arbeiten in unterschiedlichen Tempi und Intensität/Tiefe an unterschiedlichen Themen, sie haben unterschiedliche Ziele zu erreichen (zieldifferenter Unterricht) und werden am Lernzuwachs gemessen, nicht an einem gemeinsamen Ziel wie bislang. Für pfiffige Kinder sehe ich das genau so vorteilhaft wie für die langsameren Kinder. Worin sollte denn sonst z.B. das erstrebenswerte Lernziel eines begabten Kindes nach der ersten Klasse liegen, wenn es vor der Schule schon lesen konnte - das Ziel des Schuljahres aber ist, alle Buchstaben kennen zu lernen? Oder wenn es Kinder gibt, die trotz größter Bemühungen zum Ende des ersten Jahres noch keinen Satz flüssig lesen können? Befriedigend ist die Situation bislang auf beiden Seiten nicht.

sugar hat geschrieben:
Es ist wahrscheinlich ein großer Unterschied, ob eine blinde Mitschülerin, die ja kognitiv keine Probleme hatte, in der Klasse ist, oder mehrere Kinder mit diversen Behinderungen.

Ich denke so groß ist der Unterschied gar nicht. Weil man jedes Kind einzeln in seiner Leistungsfähigkeit betrachtet. In Bezug auf hochbegabte Kinder schaut man ja idealerweise auch auf die Interessen, speziellen Begabungen und Leistungsfähigkeit und nicht auf das "normale" Klassenziel.

sugar hat geschrieben:
Das mag im Grundschulalter der Fall sein. Später klaffen - bei den mir bekannten Kindern - Welten zwischen der jeweiligen Interessenlage. Und ich glaube, dass es für jedes Kind wichtig ist, Freunde zu haben. Und wie ich schrieb, die Kinder zu Freundschaften zu verdonnern geht nicht.

Die blinde Klassenkameradin hatte durchaus auch Freunde innerhalb der Klasse, manche Freundschaften davon bestehen heute noch. Und die lernbehinderten Kinder meines Sohnes haben in der Klasse auch Freunde gefunden - ohne dass jemand irgendjemanden in die Pflicht genommen hätte, sich mit "denen" abzugeben. Zur Inklusion gehört auch ganz viel umdenken, Perspektivwechsel auf allen Seiten. Stell Dir vor, Du hättest ein Kind, eine ganz liebe Tochter, sehr kreativ, aber beim Lernen täte sie sich etwas schwer. Würdest Du da wollen, dass das Mädchen mit nur lernbehinderten Kindern in eine Schule gesteckt würde? Ohne Zugang zu ganz "normalen" Kindern? Je früher die Kinder den normalen Umgang mit Heterogenität lernen, desto normaler ist es auch im weiteren Schulverlauf. Das was Du beschreibst, das Außenseitersein innerhalb einer Klasse ist meines Erachtens eher eine Folge der Integration nicht der Inklusion.

echomaker hat geschrieben:
aber es gibt nunmal keine Vollbeschäftigung mehr und von (fast) jeder Arbeitsstelle muss ich den anderen verdrängen, der sie mir wegschnappen könnte - klar hat das einen Einfluss auf die Einstellung der Eltern zur Inklusion... und zu Schülern, die wegen Nachteilsausgleich in der selben Schule vielleicht bessere Noten bekommen oder den Lernprozess des eigenen Kindes verlangsamen könnten.

Und deshalb drängt man sie mal lieber gleich von vorne herein auf Spezialschulen? Und das mit dem verlangsamten Lernprozess für die nicht behinderten Kinder ist ja widerlegt. Es soll ja eben mit Inklusion nicht so sein, dass es ein gemeinsames Lerntempo gibt, das von Einzelnen herunter gezogen wird. Im Gegenteil - im Moment ist es eher so, dass bei nicht differenzierendem Unterricht die langsamen und ganz schnellen benachteiligt sind. Inklusion bedeutet ja auch Lern- und Lehrmethoden zu ändern.

echomaker hat geschrieben:
Jetzt ist es aber so, dass in Deutschland der Beruf des Förderlehrers - im Falle der verhaltensauffälligen Kinder wäre das dann einer mit dem Schwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung - immer unattraktiver wird: man ist nämlich in kaum noch einem Bundesland an seiner Stammschule, sondern tourt durch die Stadt an mehrere Schulen, mit keinem "Heimatkollegium"...

Genau das macht aber eine Bekannte von mir und findet es sogar attraktiv für mehrere Schulen zu arbeiten. Sie fühlt sich damit freier, hat überall nette Kollegen, die sich auf sie freuen.

nepomuk hat geschrieben:
Aber es gibt 2 Sorten von Kindern mit Behinderung, welche die körperlich nicht so sind wie die anderen Kinder und deshalb nicht genau so lernen können, und welche die verhaltensauffällig sind. Da genau sind meine Bedenken und meine Angst, denn wenn sich ein erprobter Schlägerjugendlicher und (m)ein zartes-Pflänzchenkind auf dem Schulhof auf dem Inclusions-Schulhof pulvern

Das ist die Angst vieler, weshalb sie Inklusion erst mal ganz ablehnen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht beschulbare Kinder, wenn sie eine Gefahr für andere Schüler darstellen, nicht regelbeschult werden. Zumindest nicht mehr, als es jetzt schon der Fall ist.

nepomuk hat geschrieben:
Kaum zu glauben, warum sollte ein Kind im Rollstuhl, das sonst genauso eine gymnasiale Empfehlung hat, wie ein Kind ohne Rollstuhl, nicht Abitur machen können. Es muss doch eine Schule geben, die rollstuhlgerecht ist und dazu noch zum Abitur führt. Bei uns an der Uni gibt es so viele Rollifahrer, wo kommen sie dann her?

In der Regel kommen diese von speziellen Förderschulen. Und/oder aus Elternhäusern, die sehr engagiert und finanzkräftig sind. Im Beispiel der blinden Schülerin war es so, dass der komplette Zusatzaufwand privat finanziert wurde, die Sekretärin des Vaters hat in den Sommerferien wochenlang alle Schulbücher des kommenden Schuljahres in Brailleschrift abgetippt. Es ist nicht unmöglich, als Behinderter viel zu erreichen, zu studieren etc.. Aber der Aufwand ist für jemand mit Behinderung noch ungemein höher das gleiche Ziel zu erreichen wie für einen nicht behinderter Menschen - nicht nur wegen der eigenen Hürden sondern aufgrund dieser Selektion. Das wird diesen Menschen nicht gerecht, egal ob sie Stephen Hawking, Thomas Quasthoff, Margarete Steiff oder wie auch immer heißen.

Sarah hat geschrieben:
Mein jetziges Gymnasium hat einen Aufzug im 60er-Jahre-Bau, der auch ebenerdig stufenlos erreichbar ist. Das Problem ist bloß, dass in den älteren Gebäuden und im Neubau aufgrund des Denkmalschutzes kein Aufzug erlaubt ist...

Es wird auch weiterhin Schwerpunktschulen geben, also auch in nächster Zukunft wird nicht jede Schule für jede Behinderung ausgestattet sein, das wäre zwar technisch möglich, wird aber wahrscheinlich gar nicht finanzierbar sein. Aber zumindest wird es durch die Schwerpunktschulen keine so starke Ghettoisierung mehr geben. Und das finde ich auch richtig so. Und es muss ja auch nicht so sein, dass vom ersten Tag an jede Schule sich auf alle Behinderungen spezialisiert, sondern dass man sukzessive Kinder mit immer wieder neuen Behinderungen aufnimmt - je nach Anfrage, Ausstattung der Räume, des Personals etc. Die LINKE, die die Veranstaltung zu Inklusion inititiert hatte, plädierte dafür, jetzt sofort alle Schulen für jede Behinderung um-, bzw. aufzurüsten, aber ich denke mal, das ist Zukunftsmusik. Ich bin da eher für kleine Schritte.

Wie gesagt ich denke das Wollen steht bei dem Thema an erster Stelle- So was wie das hier sind offensichtlich vorgeschobene Argumente:
Zitat:
...nachdem ihr alle erreichbaren öffentlichen Gymnasien erklärt haben, das Kind nicht aufnehmen zu können, da die Mutter die Elternabende nicht besuchen kann, da die zwingend im Klassenraum im 4. Stock stattfinden müssen.

Wer so denkt, wird immer Argumente finden, weshalb etwas nicht umsetzbar ist. Man wünscht diesen Menschen, dass sie nie in Situationen kommen, in denen sie auf fremde Hilfe angewiesen sind und sehen müssen, wie es ist, wenn man überall als Bittsteller da steht.

Zitat:
Vielleicht fangen wir mal an, solche Kinder zu "inkludieren" bevor wir uns mit den berühmten schwerst-mehrfach-Behinderten befassen.

Dieser Meinung bin ich auch. Es ist gar nicht geplant, alle Kinder jeder Behinderung in die Regelschule zu integrieren. Die Angst, dass sein hochbegabtes Kind neben einem sabbernden debilen Klassenkameraden (Vorsicht Sarkasmus!) analytische Geometrie lernen muss ist recht unbegründet.

Lg

Anni


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 13:02

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 13:02 
Power-User
Power-User
Registriert: 10.2008
Beiträge: 9751
Barvermögen:
 5.976,80 Points
Wohnort: Bolivien
Geschlecht: nicht angegeben
 Profil  
Zitat:
Es wird auch weiterhin Schwerpunktschulen geben, also auch in nächster Zukunft wird nicht jede Schule für jede Behinderung ausgestattet sein, das wäre zwar technisch möglich, wird aber wahrscheinlich gar nicht finanzierbar sein.


Vielleicht in Ballungsräumen. Aber was machen die anderen?

Übrigens sollte man vielleicht auch mal überlegen, wie eine Zukunft ohne Inklusion aussehen würde. Hier ist nämlich schon vielfach die Rede, dass man HB eigentlich auch nicht regelbeschulen kann. Die sollen doch hingehen, wo der Pfeffer wächst. In irgendwelche Spezialschulen, die es nicht gibt. Die nerven nämlich nur rum und stören die anderen. Außerdem gibt es an den Schulen keine Speziallehrer für sie. Also fehlen doch die Ressourcen. Dann mal weg mit ihnen.

_________________
Mein Motto: Immer freudig in die Zukunft sehen......


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 13:14

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 13:14 
Power-User
Power-User
Benutzeravatar
Registriert: 10.2008
Beiträge: 1257
Barvermögen:
 796,10 Points
Geschlecht: männlich
Geschlecht: männlich
 Profil  
Wie gesagt, die Ängste liegen aber eher bei den Eltern als bei den Schulen - die machen nämlich überall Druck, dass Inklusion nicht stattfindet. Die Lehrer sind zwar einigermaßen genervt, dass die Ressourcen nicht erhöht werden, aber grundsätzlich ein eher inklusionswilliges Völkchen.
Und die Elternangst kommt ja auch von beiden Seiten - von Seiten derer, die Angst haben, dass ein behindertes Kind den Lernerfolg des eigenen gefährdet, und von denen, die den anderen Kindern dem Umgang mit dem eigenen, behidnerten Kind nicht zutrauen.
http://www.rp-online.de/niederrhein-nor ... -1.3061527

Die negativen Erfahrungen, die ja auch in den Film geschildert wurden, machen die Kinder ganz klar überwiegend mit den Mitschülern.
Schicksale wie des des Mädchens, die vergebens auf Freunde hofft, sind in Ländern, die Inklusion schon lange implementiert haben, Alltagsgeschichten. Hier geben sie noch nicht mal Stoff für Fernsehbeiträge. Ich würde für die deutschen Kinder hoffen wollen, dass dem nicht so ist/kommen wird - sehe aber nicht, wieso das nicht eintreten sollte. Ich fürchte, es ist naiv zu glauben, dass sich die Kultur des Miteinanders ändert, nur weil etwas gesetzlich eingeführt wird. Hier hat es das jedenfalls nicht getan und Inklusion ist schon 20 Jahre alt ...

Man muss das halt auch mal live erlebt haben, wenn ein Vater oder eine Mutter auf dem Elterabend laut verkündet, dass die ganze Misere der letzten Leistungsüberprüfung nur an den "grenzedebilen Idioten" (stupid retards) der Inklusionskinder liegt - und dabei auf deren Eltern zeigt. Oder dass Eltern von special needs kids Drohbriefe von anderen Eltern bekommen.
Oder - weniger rustikal, dafür nicht minder verletzend, auf der Edelschule - wie isoliert die wenigen Quotenbehinderten (alles natürlich keine Verhaltensgestörten, die nehmen solche Schulen natürlich erst gar nicht (es sei denn sie sind SEHR betucht)) waren: keine Einladungen nach Hause, keine Integration in die Cliquen, allein auf dem Schulhof, man verhält sich höflich verächtlich, aber eben äußerst und sehr spürbar verächtlich. Trotz aller Bemühungen der Lehrer und des Personals an beiden Schulformen/typen.

Inklusion kann man nicht gesetzlich veordnen und/oder schulisch durchsetzen.
Und sie fängt NICHT in der Schule an. Sondern in der Gesellschaft. In der Schule werden nämlich nur diejenigen Strukturen verstärkt wiedergespiegelt, die in der Gesellschaft grundsätzlich vorhanden sind.
Kinder als Versuchsschweinchen vorzuschicken, damit sie mal auf eigenen Kosten den Veränderungswillen der Gesellschaft antesten, halte ich für relativ grausam.

Zuerst mal bedürfte es einer massiven Aufklärungswelle und gesamtgesellschaftlicher Anstrengung, Behinderte als Menschen zu sehen, die wichtig für unsere Gesellschaft sind. Sie müssten besserin Jobs intergriert werden, in der Politik sichtbarer sein, die Arbeitsmarktsituation hat etwas damit zu tun - gäbe es mehr besser bezahlte Teilzeitregelungen und mehr Fexibilität bei Jobangeboten (derzeit arbeitet man ja irgendwie entweder 60 Stunden oder gar nicht, dazwischen gibt es wenig Modelle), so dass Behinderte auch eher teilhaben könnten, weniger Konkurrenzdenken und mehr Miteinander, dann könnte man vielleicht in ein paar Jahren, die man am besten mit sehr guter Ressourcenschaffung und Planung verbringen könnte, eine Chance haben, Inklusion wirklich voranzutreiben.

Derzeit sehe ich das nicht.

_________________
http://www.fluechtlingsrat-nrw.de http://www.nspcc.org.uk/


go to top Nach oben
 Profil  
 

14. Feb 2013 14:14

Offline
 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 14:14 
Power-User
Power-User
Registriert: 10.2008
Beiträge: 9751
Barvermögen:
 5.976,80 Points
Wohnort: Bolivien
Geschlecht: nicht angegeben
 Profil  
Ja, ich erinnere mich auch an einen Elternabend, an dem diverse Eltern berichteten, wie sie ihre Kinder verprügeln, wenn es in der Schule irgendwie nicht so klappt. Die Lehrerin hatte dazu aufgefordert, doch bitte mittels heimischer Erziehung dafür zu sorgen, dass die pubertierenden Kinder in der Schule keinen Stress machen. Daraufhin wurde energisch gefordert, sowas zwecks häuslicher Bestrafung sofort den Eltern mitzuteilen.

Die Lehrerin lächelte mild, während sich die Eltern mit ihren drastischen Schilderungen gegenseitig in den Schatten stellten.

Wenigstens wussten wir hinterher, dass wir an der Schule nicht alt werden wollten. Und so ergab es sich dann auch.

_________________
Mein Motto: Immer freudig in die Zukunft sehen......


go to top Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 55 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Besucher kamen durch folgende Suchbegriffe auf diese Seite:

förderschülerin braucht windeln ist es pfLicht einem inklusionskind in der grundschule ein klassenzimmer im erdgeschoss zu geben nachteilsausgleich schule klassenzimmer im Erdgeschoss

Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
Beteilige Dich mit einer Spende
cron

© phpBB® Forum Software • Theme foruz.net • phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker