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Eine Schule für alle?

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14. Feb 2013 19:34

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 19:34 
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Michaela hat geschrieben:
Hier gibt es Zahlen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/bst/ ... 9960_2.pdf

Die Zahlen differenzieren von Bundesland zu Bundesland erheblich. So unabdingbar zwingend kann also die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs nicht sein.

Jedenfalls fallen darunter bundesweit 5,76 % der Kinder.

Förderschwerpunkt Lernen 2,7 %
geistige Entwicklung 0,9 %
Sehen 0,3 %
Hören 0,17 %
körperliche Entwicklung 0,35 %
emotionale und soziale Entwicklung 0,57 %
Kranke 0,12 %
ohne Zuordnung 0,28 %

Die werden dort alle auf ein Leben im Heim vorbereitet? Einen Schulabschluss machen sie jedenfalls in den 9 Förderschuljahren eher nicht. Siehe Studie.

Die größte Gruppe sind die mit dem "Förderschwerpunkt Lernen". Darunter fallen die mit Schwierigkeiten in folgenden Gebieten:

Wahrnehmung
Grob- und Feinmotorik
Aufmerksamkeit, Konzentration
Transferleistungen
sprachliches Handeln
Motivation
Soziale Kompetenz
emotionale und soziale Stabilität
Umgang mit Lerninhalten

eine wahrhaft bunte Mischung. Alle dauerhaft aussortiert?

Eine beeindruckende Liste. Kennst Du absolute Zahlen für Hessen? Die Tochter meiner Freundin fällt in die letzte Kategorie und nein, sie kann nur im behütenden Umfeld leben. Sie hat in der Schule Lesen, Schreiben, ein wenig Rechnen gelernt, sie hat 13 Jahre dafür gebraucht, die Fertigkeiten eines Grundschulkindes zu erlernen. Alles muss in 1 zu 1 Situationen immer wieder trainiert werden. Das kann keine Regelschule leisten. Hätte es damals Inklusion gegeben, könnte sie weder lesen noch schreiben- das sagt ihre Mutter.


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14. Feb 2013 20:14

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 20:14 
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Ich finde den Rechtsanspruch sehr wichtig. Erst durch den Druck der EU ist überhaupt Bewegung in die Debatte gekommen. Denn nur so wird man überhaupt je Wahlfreiheit haben. Ich bin gar nicht mal überzeugt, dass der gemeinsame Unterricht immer die beste Lösung ist. Sicher wird es auch Kinder geben, die in einer Förderschule mehr aufblühen können, aber das sollte eben auf das jeweilige Kind ankommen mit dem Anspruch darauf, dass es jederzeit in den GU kann. Genauso, wie es einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz braucht, damit man sich frei entscheiden kann, ob man arbeitet oder nicht.

Die Frage ist dann noch, was ist guter GU. Und da braucht Veränderungen in den Köpfen aller. Lehrer, die nicht im Team (mit weiteren Lehrern und I-Helfern) unterrichten wollen oder können, sind zu überzeugen bzw. zu schulen und die Räumlichkeiten müssen angepasst. werden. Bei den Räumlichkeiten bin ich bei Michaela: wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Was spricht gegen einen "simplen" Treppenlift und einen zweiten Rollstuhl auf der höheren Etage. Oder einen Außenaufzug, oder oder... Auch Kleingruppenräume kann man sich schneidern, insbesondere bei weiter sinkenden Schülerzahlen.

Und dann muss noch geklärt werden, wie im GU alle Kinder zu ihrem recht kommen. Also: wie individuelle Förderung wirklich gelingen kann. Nur dann hat man nämlich eine Chance, alle Eltern davon zu überzeugen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Schließlich ist da ja jedem das Hemd näher als die Hose. Und auch zu Recht so.

Und dann wird es immer Kinder geben, die im GU einfach untergehen, weil sie sich selber als zu anders/nicht genug leistungsfähig, was auch immer erleben. Die brauchen auch eine Perspektive. Genau wie die HBs, denen es am anderen Ende des Leistungsspektrums so geht. Was heißt, die ein oder andere Spezialschule oder den ein oder anderen Spezialzweig werden wir auch noch brauchen.

Außerdem erträgt eine Gruppe nur eine begrenzte Zahl von "anderen" Kindern.. Man kann von jeder Gruppe verlangen, eine gewisse Zahl von "Anderen" zu intergrieren, aber wenn es zu viele werden, kippt die Stimmung sehr schnell. Von daher geht es gar nicht, die Kinder mit Förderbedarf an bestimmten GU-Schulen zu konzentrieren. Wie es in dem Film der Sekundarschule drohte. Zu recht fürchten die, dann bald nur noch mit Förderkindern beschäftigt zu sein mit der Konsequenz, dass keine leistungsstarken Kinder mehr kommen. Warum auch sollten die Eltern der leistungsstarken Kinder (egal ob intellektuell oder emotional/sozial) ihren Kindern eine besonders hohen Integrationsanstrengung abverlangen?

Gruß

Ubi

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14. Feb 2013 20:22

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 20:22 
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Ich kenne mehrere Schulen, die in Sachen HB-Förderung einen guten Job machen. Und die dahin über GU kamen. Wenn man nämlich erst einmal gelernt hat, dass Kinder nicht gleich sind, sondern jedes seinen eigenen Weg braucht, dann geht das in allen Richtungen.

Wir Eltern hb Kinder können wohl schlecht fordern, unsere Kinder zu integrieren. Aber nur unsere. Andere nicht. Das finde ich ethisch nicht vertretbar.

Meinungen in Richtung "völlig andere Interessen, anderes Lerntempo, nicht integrierbar, muss auf einer Insel leben" - das kann man alles auch über HBs hören.

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14. Feb 2013 20:54

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 20:54 
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So hatte ich meinen letzten Text durchaus gemeint, Michaela...

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14. Feb 2013 20:54

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 14. Feb 2013 20:54 
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In der verlinkten Studie gibt es die Zahlen auch nach Bundesländern sortiert. Für Hessen wären das:

Förderschwerpunkt Lernen: 2,28 %
geistige Entwicklung: 0,78 %
Sehen: 0,06 %
Hören: 0,15 %
körperliche Entwicklung: 0,26 %
emotionale und soziale Enwicklung: 0,40 %
Kranke: 0,35 %
ohne Zuordnung: 0

gesamt 4,79 %

Die Hessen sind also insgesamt deutlich unterdurchschnittlich behindert. Aber dafür kränker.

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15. Feb 2013 08:32

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 08:32 
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Michaela hat geschrieben:
Ich kenne mehrere Schulen, die in Sachen HB-Förderung einen guten Job machen. Und die dahin über GU kamen. Wenn man nämlich erst einmal gelernt hat, dass Kinder nicht gleich sind, sondern jedes seinen eigenen Weg braucht, dann geht das in allen Richtungen.

Wir Eltern hb Kinder können wohl schlecht fordern, unsere Kinder zu integrieren. Aber nur unsere. Andere nicht. Das finde ich ethisch nicht vertretbar.

Meinungen in Richtung "völlig andere Interessen, anderes Lerntempo, nicht integrierbar, muss auf einer Insel leben" - das kann man alles auch über HBs hören.

Ich kenne durch meine Freundin viele Eltern behinderter Kinder und deren Kinder. Ich habe festgestellt, dass auf den Förderschulen Kinder sind, die darauf angewiesen sind, in Kleinstgruppen die rudimentären Fähigkeiten zu erlernen. Alles, was einigermaßen mithalten kann, befindet sich nicht mehr auf einer Förderschule.
Und diese Kinder werden durch Inklusion keine Vorteile haben - es wird nur das Gewissen der Gutmenschen beruhigt.
Was ich an der Chose positiv finde ist, dass die Eltern entscheiden können.


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15. Feb 2013 09:33

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 09:33 
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Ich glaube, du kennst nur eine spezielle Gruppe der Förderschulkinder. Für die ist das vielleicht so. Wenn das bei allen so wäre - wäre das äußerst bedenklich. Es gibt Bundesländer, in denen 10 % der Kinder eine Förderschule besuchen. Die können wohl kaum alle hinterher in Behindertenheimen leben.

Beruflich bin ich öfter in einer Förderschule für Praktisch Bildbare, was heute "Schwerpunkt geistige Entwicklung" heißt. Bei keinem der Kinder würde man erwarten, dass sie einen Schulabschluss machen, dass sie irgendwann mal selbstständig leben können. Ja, ich frage mich sogar, warum sie eine Schule besuchen "müssen". Manche sitzen festgekeilt und angeschnallt in Rollstühlen und brauchen zusätzlich noch einen Integrationshelfer, der sie festhält und verhindert, dass sie das tun, was sie gerne möchten: Sich aus all diesen Zwängen, einschließlich Windel und Kleidung befreien und auf dem Boden liegen.

Die Familien sind äußerst froh, sie dort zu haben. Dort bekommen sie nämlich all die Therapien, die sie brauchen und vermutlich ermöglicht ihre zeitweise Abwesenheit zumindest Ansätze von Familienleben. Das ist aber nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Förderschüler. Und das sind die, die unsere Gymnasien anscheinend am einfachsten "integrieren" können.

Leichter zum Beispiel als einen verhaltensgestörten Hochbegabten. Leichter als jemanden, der eine körperliche Behinderung hat, aber einen scharfen Verstand. Leichter als einen Blinden/Gehörlosen, der spezielle Unterstützung in Sachen Stoffvermittlung braucht.

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15. Feb 2013 09:58

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 09:58 
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http://www.ruhrbarone.de/foerderschulen-vor-dem-aus/


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15. Feb 2013 10:02

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 10:02 
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http://www.schulministerium.nrw.de/BP/S ... ta2011.pdf
Hieraus geht hervor, dass es in NRW 2 Mio und 217.000 Schüler gibt, ca. 102.000 besuchen eine Förderschule. Wieviel % sind das denn?


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15. Feb 2013 10:19

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 10:19 
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Bei uns im Ort findet gerade Inklusion anderherum statt. Wir haben ein in kirchlicher Trägerschaft stehendes Internat für Kinder mit Förderbedarf. Hervorragend ausgestattet. Der Schulleiter hat jetzt im Sommer erstmalig "normale" Kinder in die erste Klasse der Grundschule aufgenommen, die dann zusammen mit den "Förderkindern" unterrichtet werden. Der Andrang war groß. Eine solche Ausstattung kann hier keine normale Grundschule bieten.
Auf der anderen Seite beschweren sich gerade die Eltern der Regelkinder, die ihre Kinder in Integrationsgruppen mit besserer personeller Ausstattung geschickt haben, dass ihre Beiträge jetzt angeglichen werden sollen und sie genausoviel bezahlen sollen wie für Kinder in der Regelgruppe. Die Regelkinder für die Integrationsgruppe waren nämlich mit niedrigen Beiträgen gelockt worden. Im Zuge der Inklusion macht das ja alles keinen Sinn mehr.


Sabine


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