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Eine Schule für alle?

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15. Feb 2013 10:26

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 10:26 
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Hallo,

sugar hat geschrieben:
Ich habe festgestellt, dass auf den Förderschulen Kinder sind, die darauf angewiesen sind, in Kleinstgruppen die rudimentären Fähigkeiten zu erlernen.

Es gibt sie gar nicht "die Förderschulen", weil diese Schulen ja sehr unterschiedlich ausgerichtet sind. Michaela hat die unterschiedlichen Förderschwerpunkte ja schon aufgeführt. Aus meiner Arbeit kenne ich, dass Lehrer häufig die größten Schwierigkeiten mit den Kindern mit den emotional-sozialen Einschränkungen haben, da ist der Betreuungsaufwand am größten, weil diese am häufigsten den Rahmen sprengen. Kinder die bislang in Minigruppen unterrichtet werden, weil sie entweder so viel Einzelbetreuung brauchen und/oder ihnen größere Gruppen nicht gut tun, werden auch künftig nicht in Riesenklassen mit nur einem Lehrer mit gelegentlich vorbeispazierendem Sozalpädagogen unterrichtet werden können. Und falls doch, hat das eben mit Inklusion wenig zu tun, dann ist das schlicht Thema verfehlt.

Es ist ganz klar, dass neben einer anderen Ausstattung die Klassenfrequenz gesenkt und der Pädagogenanteil gehoben werden muss, wenn richtig inkludiert wird. In der Schule meines Sohnes (6 Integrationskinder bei 23 Schülern) gab es pro Klasse zwei Räume, es waren oft zwei Lehrer parallel im Unterricht anwesend, meist war auch noch der Erzieher im Unterricht mit dabei. Manchmal auch nur ein Lehrer und ein Sonderpädagoge, ganz selten nur ein Lehrer. Es war ein gut eingespieltes Team, das Arbeits- und Freiphasen gut abgestimmt hat. Und zwar nicht strikt nach Lehrplan sondern nach aktueller Leistungsfähigkeit der Klasse. Da konnte durchaus sein, dass die Klasse weiter gearbeitet hat, weil sie gerade im "Flow" war, obwohl eigentlich Freizeit gewesen wäre, genau so hatten die Pädagogen die Freiheit, eine Unterrichtsphase früher abzubrechen, wenn sie merkten, dass die Konzentration akuell nicht ausreicht. Das hat super geklappt, obwohl es sogar einige verhaltensauffällige Kinder gab, die nicht mal als solche klassifiziert waren, sondern "nur" schwierig. Es ist ja nicht so, dass die Kinder, die den Status Förderkind nicht haben, automatisch leicht zu beschulen sind. Im Gegenteil, die Auffälligkeiten insgesamt nehmen immer mehr zu, weshalb es aus pädagogischer Sicht sowieso eine Änderung gegen muss, weil normal ausgebildete Lehrer zunehmend überfordert sind mit ihrer Situation im Klassenzimmer. Weshalb die gesamte Pädagogik sowieso neu aufgerollt werden muss, wenn die Gesellschaft nicht zu viele Verlierer produzieren will.

sugar hat geschrieben:
Und diese Kinder werden durch Inklusion keine Vorteile haben - es wird nur das Gewissen der Gutmenschen beruhigt.

Ganz früher hat man ja den Großteil der behinderten Menschen im Keller versteckt, da fand man weder notwendig, dass man diesen Menschen eine Chance geben muss, noch, dass man den "normalen" Menschen den Anblick zumuten kann. Da sind wir ja zum Glück (weil auch etwas Gutmensch ;-)) weiter. Und ja, ich denke dass man da noch viel ausprobieren muss, welche Konstellationen möglich und vertretbar sind. Und das finde ich auch normal, denn kein Kind ist wie das Andere, auch nicht ein Behindertes.

sugar hat geschrieben:
Was ich an der Chose positiv finde ist, dass die Eltern entscheiden können.

Das finde ich auch gut. Die Nachfrage regelt das Angebot, so es eines gibt.

fräuleinmenke hat geschrieben:
Bei uns im Ort findet gerade Inklusion anderherum statt. Wir haben ein in kirchlicher Trägerschaft stehendes Internat für Kinder mit Förderbedarf. Hervorragend ausgestattet. Der Schulleiter hat jetzt im Sommer erstmalig "normale" Kinder in die erste Klasse der Grundschule aufgenommen, die dann zusammen mit den "Förderkindern" unterrichtet werden.

Das ist ja spannend. Interessant ist, wie interessant das Angebot des GU für die Eltern bleibt, wenn sie keine direkten montären Vorteile mehr haben. Rein aus Kostenersparnis werden sie diese Entscheidung wohl nicht getroffen haben.

Lg

Anni


Zuletzt geändert von anni11 am 15. Feb 2013 13:26, insgesamt 1-mal geändert.

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15. Feb 2013 10:31

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 10:31 
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Och sugar, in der Studie stehen auch die Zahlen von NRW......

In der Tat gibt es hier auch Nachfrage nach der Aufnahme von Regelkindern in der von mir beschriebenen Förderschule. Dort betreuen je drei Lehrerinnen 7-9 Kinder auf knapp 100 qm. Die behinderten Kinder haben je 1-3 Integrationshelfer. Dazu gibt es eine Art Voll-Ausstattung, wie sie hier keine andere mir bekannte Schule hat. Traumhafte Außenanlagen mit allem, was man sich vorstellen kann. Fachräume jeder Art. Eine Dreifeld-Turnhalle für die 100 Schüler. Sportanlagen draußen. Eine Kantine, in der jeder seinen Sitzplatz hat. Eine Profi-Küche mit eigenem Personal, die frisch und gesund kocht.

Da müsste es doch möglich sein, auch ein paar aufgeweckten Kindern nebenbei noch Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen.

Entscheiden können die Eltern übrigens nicht. Bisher jedenfalls nicht.

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15. Feb 2013 10:46

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 10:46 
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Diese Schule macht schon seit Jahren inklusion soweit mir bekannt.
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15. Feb 2013 12:28

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 12:28 
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Das Problem ist halt einfach, dass Förderschulen meiner Meinung nach zu wenig Möglichkeiten anbieten. Eine Förderschule ist automatisch maximal eine Hauptschule, unabhängig davon, um welchen Förderschwerpunkt es sich handelt. Zumindest hier in Bayern. Es gibt halt eben nur ein Gymnasium, das auf Körperbehinderte ausgerichtet ist, das aber ziemlich gut (ein Referendarskollege von mir ist z.T. dort und hat von den großartigen Möglichkeiten berichtet), und eins, das auf Hörgeschädigte ausgerichtet ist. Blinde und Kinder mit Förderbedarf in sozial-emotionaler Entwicklung haben Pech gehabt. Und Körperbehinderte und Hörgeschädigte, die nicht in München wohnen, halt irgendwie auch.
Allerdings werden z.B. Asperger-Autisten schon ganz gut inkludiert. An meiner Schule sind da die Schulpsychologin und ihre Referendarin echt fit und kümmern sich um die Asperger-Kinder und stehen auch jederzeit für die Beratung der Kollegen bereit, die in den entsprechenden Klassen unterrichten. Probleme werden so schnell geklärt. Oft bestehen sie ja hauptsächlich aus Missverständnissen...

Edit: Habe gerade herausgefunden, dass es tatsächlich auch ein Gymnasium in München gibt, das speziell für Blinde ausgestattet ist. Das Problem bei dieser Geschichte ist allerdings: nur das Gymnasium für Hörgeschädigte (Aufnahme übrigens erst ab der 10. Klasse) hat eine feste Kooperation mit einem Internat. Das ist für viele dieser Jugendlichen super, weil sie auch vorher schon in diesem Internat waren, das an die Schwerhörigenrealschule angeschlossen ist. Für die Körperbehinderten scheint es nichts zu geben, und auch für die blinden Schüler nicht...

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15. Feb 2013 13:53

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 Betreff des Beitrags: Re: Eine Schule für alle?
BeitragVerfasst: 15. Feb 2013 13:53 
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Hallo,

zu der Frage nach der notwendigen personellen Ausstattung für inklusives Lernen hat Prof. Hans Wocken, Spezialist für Inklusionspädagogik, Ziele und Bedarf definiert: In den nächsten Jahren sollen 80% der bislang in Fördereinrichtungen beschulten Kinder in Regelschulen inkludiert werden, also nicht alle, aber deutlich mehr als bislang (s. Anhang Seite 11)

Lg

Anni


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