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Fortsetzung Bildungsdiskussion

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2. Sep 2013 02:21

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 Betreff des Beitrags: Re: Fortsetzung Bildungsdiskussion
BeitragVerfasst: 2. Sep 2013 02:21 
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Ich habe Hüther auch einmal persönlich erlebt und der Vortrag war, wie im Zeit-Artikel beschrieben.
Man hätte diesem Mann stundenlang zuhören können. Er hat die Zuschauer mitgerissen. Ein unglaublicher Rhetoriker. Wenn er den Lehrern beibringen könnte, wie man andere dermaßen fesselt,... habe ich mir gedacht. Egal, welchen Rang er im Uni-Betrieb einnimmt, auch egal, ob und was er selber geforscht hat, er hat Ahnung von Motivation.

Er selber sagte auch, dass die Weisheiten, die er verkündet, schon altbekannt und von den talentierten Pädagogen schon immer umgesetzt worden sind. Es ist aber nicht schlecht, auch die anderen an das Entscheidende beim Lernen zu erinnern. Und das ist die Motivation.

Grundlagenforschung, wie Abläufe im Gehirn, halte ich als Handlungsanweisung für Pädagogen an sich wenig geeignet. Dazu ist der Mensch zu komplex. Als rhetorisches Stilmittel scheint es aber effektiv zu sein. Und das weiß Hüther geschickt einzusetzen.

Seine und Juuls Ideen braucht man nun auch nicht so zu verteufeln, wie im Artikel. Mit meinen Erfahrungen im real-existierendem Montessori-System sehe ich das zwar alles nicht mehr so blauäugig, aber die pädagogische Richtung, denke ich, ist schon richtig, solange es nicht in Idealismus oder Extremismus abdriftet. Gute Lehrer sind immer noch die Garanten von gutem Unterricht, egal in welcher Schulform.

In unserer Stadt sind die Montessori-Schulen städtisch. Sie haben weder einen größeren Etat und auch keine ausgesuchteren Kinder als andere Schulen. Ein Typ Kinder lernt dort besser, ein anderer Typus schlechter. Ohne Elternmitthilfe funktioniert es aber selten. Die Lehrerinnen sehen das erstaunlicherweise oft nicht.

Auch hier kann man die soziale Schere klaffen sehen. Kinder ohne Unterstützung fallen im Vergleich mit den anderen negativ auf und werden schnell als lernschwach eingestuft. Hier bräuchten wir, wie in Finnland, ein personalintensives Fördersystem, das mit diesen Kindern an den Grundlagen und der Motivation arbeitet. Sind sie erst einmal auf die Hauptschule abgeschoben, ist es mit beidem meistens vorbei.

Privatschulen in D und in GB sind, denke ich, zwei völlig andere Paar Schuhe. Ich kenne GB nur wenig, aber die Adaption des GB-Schusystems in Asien. Da, wo Korruption sowieso an der Tagesordnung ist, treibt es skurrile Blüten.
Der Politik in D ist es schon wichtig, dass es hier keine Abschottung der Reichen gibt. Es wird längst nicht alles genehmigt.

Es gibt bei uns eine unbezahlbare Privatschule, die aber keinen guten Ruf hat, da dort auch viele problematische Kinder sind, die im normalen System nicht klar kommen. Ansonsten bevorzugen Reiche die Schulen im entsprechenden Stadtteil, egal ob städtisch oder kirchlich, die auch offen für alle sind (Die kath. Grundschule schon, das kath. Gymnasium weniger). Allerdings haben die weniger Begüterten kein Interesse, ihre Kinder dort hin zu schicken. Es gibt Vorurteile, wie versnobt und verwöhnt Eltern und Kinder wären, was allerdings nur auf eine Minderheit dort zutrifft. Es ist auch die Angst, dass die eigenen ärmeren Kinder zu Außenseitern werden, da sie mit dem Durchschnitt dort bei Kleidung, Wohnraum und Urlaub nicht mithalten können.
Ungebildete Eltern würden dort aber wohl unangenehmer auffallen als ärmere. So separieren sich die Schichten automatisch ohne dass jemand sich bewusst abschotten wollte.

Ich glaube sowieso, dass die Bildung der Eltern und noch mehr deren Lebenseinstellung entscheidender sind als die Finanzen.

Katze

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2. Sep 2013 07:49

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 Betreff des Beitrags: Re: Fortsetzung Bildungsdiskussion
BeitragVerfasst: 2. Sep 2013 07:49 
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Katze hat geschrieben:
Grundlagenforschung, wie Abläufe im Gehirn, halte ich als Handlungsanweisung für Pädagogen an sich wenig geeignet. Dazu ist der Mensch zu komplex. Als rhetorisches Stilmittel scheint es aber effektiv zu sein. Und das weiß Hüther geschickt einzusetzen.
Das stimmt! Die Wissenschaftsgläubigkeit ersetzt ja derzeit das, was früher der Pfarrer von der Kanzel war. Wobei mir diese Entwicklung eigentlich lieber ist - noch lieber wäre mir aber, nicht andauernd zu versuchen Rezepte für's Leben und Lernen zu finden zu suchen. Von Juul halte ich eigentlich durchaus was - sinnlos wird es aber, wenn man ihn und seine Hinweise rezeptartig anzuwenden versucht, genau wie bei allen anderen, die was zu Pädagogik und Erziehung zu sagen haben. Man kann das als Anregungspool verstehen - aber leider wird es ja oft quasireligiös verwendet. Jedes Kind tickt anders und man kann sicher ein paar Grundhandwerkszeuge haben und Regeln/Rituale/Methoden, die sich bewährt haben, öfter anwenden als andere, aber eben auch nicht ständig und bei jedem Kind genau gleich, und bestimmt nicht dogmatisch.
Im Prinzip brauchen Lehrer und Eltern dasselbe um den Job gut zu machen: ein Blick für das Kind und den ernsthaften Willen, für dieses Kind das Beste herausholen zu wollen. Und natürlich ist es so - bei Eltern wie bei Lehrern - dass es von der Menge der Kinder abhängt, wie viel Zeit und Möglichkeiten man hat, das einzelne zu beobachten und zu fordern/fördern.


Zitat:
Auch hier kann man die soziale Schere klaffen sehen. Kinder ohne Unterstützung fallen im Vergleich mit den anderen negativ auf und werden schnell als lernschwach eingestuft. Hier bräuchten wir, wie in Finnland, ein personalintensives Fördersystem, das mit diesen Kindern an den Grundlagen und der Motivation arbeitet.
Stimmt absolut! Und der immer wieder behauptete "Klassengröße macht keinen Unterschied" - Mythos bezieht sich bei genauerem Hinsehen nur auf ie (zT rein inhaltlich sehr erfolgreichen) Pauk-Methoden/schulen - Asien schneidet da ja immer sehr gut ab. Lernen über Angst kann schon sehr erfolgreiche sein. Die Frage ist: will man das. Wenn man es nicht will, muss man sich mehr Zeit und Personal für das einzelnen Kind nehmen. Es hilft alles nix.

Zitat:
Es gibt Vorurteile, wie versnobt und verwöhnt Eltern und Kinder wären, was allerdings nur auf eine Minderheit dort zutrifft. Es ist auch die Angst, dass die eigenen ärmeren Kinder zu Außenseitern werden, da sie mit dem Durchschnitt dort bei Kleidung, Wohnraum und Urlaub nicht mithalten können.
Ungebildete Eltern würden dort aber wohl unangenehmer auffallen als ärmere. So separieren sich die Schichten automatisch ohne dass jemand sich bewusst abschotten wollte.
Ich glaube sowieso, dass die Bildung der Eltern und noch mehr deren Lebenseinstellung entscheidender sind als die Finanzen.
Katze


Hm, in Hamburg waren es aber doch schon klare, bewusste Willensbekundungen - überwiegend der wohlhabenderen Schichten?

Hier in GB hast du zusätzlich noch eine wesentlich krassere Segregation via Wohnraum. Es gibt echte Ghettos, ich glaube, das lässt sich auch nicht mit Neukölln vergleichen, und es gibt zB in Wales und Nordengland Städte/Orte, die sind so arm, dass da zahnlose Menschen noch und nöcher herumlaufen und es außer 2 großen Supermärkten nur Charity shops gibt. Wenn du da mittlere Reife oder Abi gemacht hast, ist das so gut wie nix wert. Und es gibt Gegenden wie Westminster, Barnet, Highgate, Kensington etc ... wo sich auch ganz bewust abgeschottet wird, wie man u.a. vor ein paar Jahren erkennen konnte, als ein Bezirksbürgermeister wegen des Vorschlags der Umwandlung einer alten Häuserzeile in sozialen Wohnungs(aus)bau so schell aus dem Amt verschwand, wie er nicht "class conscious" sagen konnte ;) ... dasselbe Bewusstsein gilt hier in der Schullandschaft.

Es ist eine der guten Dinge am deutschen Schulsystem, dass diese extreme Schere bi den Privatschulen nicht unterstützt wird. Hoffentlich kann man sich das auf Dauer bewahren.

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