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Wenn Kevin stört....

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7. Aug 2013 13:48

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 Betreff des Beitrags: Wenn Kevin stört....
BeitragVerfasst: 7. Aug 2013 13:48 
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Rollenspiele für Lehramtsstudenten

Wobei ich es nun nicht so gelungen finden, sich auf "Kevin" zu stürzen...

Gruß

Ubi

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10. Aug 2013 13:36

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Kevin stört....
BeitragVerfasst: 10. Aug 2013 13:36 
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Ein guter Artikel.
Rollenspiele in der Lehrerausbildung sind sicher sinnvoller als theoretische Hausarbeiten über pädagogische Theorien zu verfassen. Natürlich ist das kein Allheilmittel, wie ja auch nicht behauptet wird.

Zitat:
"Die Studenten können ein Gespür dafür entwickeln, wie komplex der Beruf ist und welche Handlungsmöglichkeiten sie haben"

Das denke ich auch.
Der Praxisschock vor der echten Klasse ist dann immer noch groß genug, aber man hat wenigstens schon einige Handlungsmöglichkeiten parat, die Neu-Lehrer bisher, wenn sie nicht schon mal in ihrer Freizeit Jugendgruppen o.ä. geleitet haben, gar nicht kannten.

Klassenmanagement steht und fällt damit, ob der Lehrer es schafft, eine persönliche Beziehung zur Klasse als Gesamtheit aufzubauen. Das kann man kaum theoretisch üben. Das braucht Zeit, die man mit einer Klasse verbringt. Früher wurde das Neu-Lehrern aber auch nicht vermittelt. Die mussten erst auf die Nase fallen, um das zu lernen.

Zitat:
Dabei ist dieses Problem eigentlich längst erkannt. Viele Bundesländer haben ihre Studiengänge schon verändert: So hat Baden-Württemberg 2001 ein Praxissemester eingeführt - aber gleichzeitig das Referendariat verkürzt. "Fatal", nennt das der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger. "Die Leute werden im Praxissemester oft nur als billige Arbeitskraft im Unterricht eingesetzt." Verglichen mit der Lehrerausbildung vor 20 Jahren gebe es zwar heute mehr Praxis, sagt Meidinger: "Aber dieses Mehr hat leider nicht viel bewirkt."


Praktikanten müssen, damit sie etwas lernen können, eng von Lehrern (ohne Entlastung) betreut werden. Ihre Stunden müssen mit Lehrerhilfe vor- und nachbereitet werden. Einige Lehrer machen das gerne, andere nicht oder sind sowieso schon überlastet.
Außerdem kommt dabei bei den Schülern weniger an, als wenn der ausgebildete Lehrer die Stunden selber hält. Und Zeit ist äußerst knapp im Schuljahr, der Lehrplan voll und gute Lehrer, die viel auf ganzheitliche Methoden Wert legen, müssen an der Stoffmenge sowie so schon Abstriche machen.
Dann hat man noch die Referendare, Projektwochen, Ausflüge, und, und, und. Praktikanten stehen in der Prioritätenliste der Schule ziemlich weit hinten.

Das im Artikel erwähnte Mentorensystem hört sich da vielversprechend an. Leider sind die Bezirksregierungen immer noch geizig bei der Freigabe zusätzlicher Lehrerstunden für die Schulen.

Katze

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Es handelt sich hierbei um meine rein persönliche Meinung ohne Anspruch auf objektive Wahrheit.
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Probleme lassen sich nicht mit den Denkweisen lösen, die zu ihnen geführt haben. (Albert Einstein)


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10. Aug 2013 17:08

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 Betreff des Beitrags: Re: Wenn Kevin stört....
BeitragVerfasst: 10. Aug 2013 17:08 
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Neuerdings sagst du immer schon nen halben Tag vor mir, was ich sagen wollte, Katze :) ...

Ich seh das genauso. Lehrerpraxis geht kaum in der Theorie, Fortbildungen können höchstens Anregung sein, ausprobiern ob das wirklich geht muss man in der Praxis, interkollegialer Austausch ist dabei wesentlich effektiver als rein theoretische Muster - die sich öfter mal in der praxis überhaupt nicht bewähren.

Ich habe schon während des Studiums aus materieller Notwendigkeit (und Interesse), fast vollzeit arbeiten müssen. Das wäre sehr schwer gewesen, hätte ich nicht sehr viel input von den älteren Kollegen bekommen - die das allerdings auch machten, weil sie wussten, dass, wenn ICH den Unterricht nicht mache, einer von ihnen Überstunden schieben muss - folglich war das ein Geben und Nehmen.

Im Jahr des Teacher Training, also dem "Referendariat" hatte ich folglich den Praxisschock nicht mehr und habe so ohne den in Deutschland vielbesungenen Wahnsinnsperformancedruck sehr gute Feedbacks bekommen, weil viele Abläufe schon Routine und nicht "gestellt" waren. Kam den Schülern sicher auch zu Gute, dass da nicht so ein Eiertanz passierte und am Tag des Unterrichtsbesuchs nicht plötzlich ein ganz anderer echomaker vor ihnen stand - wie es ja in manchen Schulen öfter mal ist, wenn Ofsted ansteht ;)

Ich glaube, dass in Deutschland die Angst vor späterer Evaluation und gegenseitigem Hospitieren oft aus diesem Praxisschock und der Struktur des Referendariatswahnsinns kommt: man kann es eigentlich noch nicht, muss aber schon perfekte Stunden hinlegen, sonst versaut man sich den Schnitt, für Doppelbesetzungen ist kein Geld, Praxis während des Studiums hatte man kaum - irgendwie nachvollziehbar, dass jeder Stundenbesuch danach einen hohen Stressfaktor beinhaltet und das Gefühl des Ausgeliefertseins sich lange hält.

Ich finde Evaluation aber wichtig, auch und vor allem gegenseitige Unterrichtsbesuche. Am besten sind die kollegialen Hospitationen, noch besser, wenn sie schulübergreifend sind. Bei uns ist das Routine, und an dieser meiner Stammschule finden es die meisten auch wichtig. Man kann viele Dinge optimieren, sich selbst von außen sehen und weitergeben, was man gut hingekriegt at, in kniffligen Situationen hat man backup und kann sich im Gespräch hinterfragen, reflektieren, optimieren. Allerdings haben wir eine Schulleitung, die das für so wichtig hält, dass sie den Stundenplan entsprechend gestaltet (man kann Freistunden zur gegenseitigen Hospitation beantragen und wir haben Kontakte zu anderen Schulen dahingehend). Jahrelang war das nicht so (bei der headmstr. von vorher).

Gerade für den Lehrerberuf fände ich sowas wie eine duale Ausbildung extrem wichtig. Ich fand es für mich und für die Schüler wirklich gut, dass ich da so "hineingleiten" konnte und schon beim Tun ausprobieren konnte, ob ich das WIRKLICH 40 Jahre machen möchte und vor allem kann. Und für die, die nach eine Weile feststellen, dass sie ds nicht so gut / gar nicht hinkriegen, braucht es eine berufliche Alternative. Was kann man in Deutschland mit einem abgeschlossenen Lehramtssudium machen? Oder gar nach dem Referendariat? Meines Wissens nicht so viel, dass es Menschen, die sich eigentlich dem Beruf und seiner Komplexität nicht gewachsen fühlen, helfen würde, sich anders zu orientieren. Das ist hier leider auch so. Eine wirklich praktische Lösung habe ich allerdings auch nicht, zumindest nicht, wenn die Ausbildung so bleibt, wie sie ist. Sie müsste gleichzeitig Qualifikation für etwas anderes sein, im Sozialbereich vielleicht.

Das, was im Artikel zitiert wird
Zitat:
Viele Bundesländer haben ihre Studiengänge schon verändert: So hat Baden-Württemberg 2001 ein Praxissemester eingeführt - aber gleichzeitig das Referendariat verkürzt. "Fatal", nennt das der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger. "Die Leute werden im Praxissemester oft nur als billige Arbeitskraft im Unterricht eingesetzt." Verglichen mit der Lehrerausbildung vor 20 Jahren gebe es zwar heute mehr Praxis, sagt Meidinger: "Aber dieses Mehr hat leider nicht viel bewirkt."
ist mE. zT richtig. War auch in meinem Fall so: es gab keinen ständigen Vertretungslehrer weit und breit, ich hab's für den halben Stundenlohn gemacht um zu existieren. Das ändert aber erstmal nichts daran, dass ich trotzdem Unterrichtspraxis noch und nöcher bekommen habe. Und da stimme ich dem Herrn vom Verband nicht zu: jede Unterrichtspraxis, egal ob prekär oder schlecht bezahlt, kann man später gebrauchen. Da wäre also die Frage ob das notwendigerweise schlecht ist. Man KANN ja auch keinen Studenten so gut bezahlen, wie einen fest angestellten Lehrer, sonst bräuchte man den Abschluss gar nicht mehr als Qualifikation anzubieten.

Was die Rollenspiele angeht, stimme ich dem Studenten zu:
Zitat:
Er fühlt sich durch die Simulation etwas besser gerüstet für den Fall, dass einer wie Kevin später mal in seiner Klasse sitzt. Aber mehr auch nicht: "Wirkliches Verständnis für einen solchen Schüler kann man allein mit einem Planspiel nicht entwickeln", befürchtet Wille. "Dafür bedarf es mehr Zeit und Praxis."


Der studentische Kevin lässt sich mit der echten Keesha nicht vergleichen. Selbst im Rollenspiel sind das Jungakademiker und nicht in der Lage, so gekonnt zu provozieren und in bestimmten Denkmustern zu agieren wie meine Layas, Keeshas, Kaylebs, Timmies und Joeys. Die ich echt richtig gern habe, aber die und deren Umwelt man lange und gut kennen lernen muss um sie auszuhalten und zu för/fordern! 013 Und ich fürchte, da gibt es kein Rezept. Der Kevin 2 in der Klasse nach Kevin 1 ist ganz anders und der dritte Kevin wird dann wieder anders sein.

Was solche Rollenspiele eher können ist, einen rausfinden zu lassen, wo die eigenen Grenzen sind. Und wie man die nach oben hin ausweiten kann. Oder ob die schon zu weit oben angesiedelt sind. Usw.

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